Portrait Hannah Höch, 1929

Natias Neutert:

Wo sind wir, wenn wir im Bilde sind? Am Beispiel von Hannah Höch.

Vortrag/Lesung/Performance, 18. Oktober 2019 um 19:00 Uhr 

 

Natias Neutert, selbst ein Virtuose der Collage, widmet sich in seinem Essayband der anerkannten „Großmeisterin der Collage“(Florian Illies) und rühmt Hannah Höch als diejenige, „die die Collage auf ihren aller höchsten Entfaltungsgrad gebracht hat“ (Neutert). In insgesamt dreizehn, mal kürzeren, mal längeren bebilderten Essays bietet der Künstler, Autor und Performer überraschend neuartige Einblicke in Leben und Werk dieser Künstlerin der Klassischen Moderne.

Hannah Höch: Schwebendes, 1951Collage, 23,9 x 33 cm

Die Vorstellung seines Buches geschieht in einer für ihn typischen Mischung aus Stegreifvortrag, gelesenen Passagen, Dia-Show und Performance, sie hat also ebenfalls Collage-Charakter. In seinem Essayband geht Neutert Fragen nach, die bisher nicht gestellt und daher bis dato auch nicht beantwortet worden sind: Wie sah Hannah Höchs frühkindlicher Umgang mit der Schere aus? In welchem gedanklichen Nährboden wurzelt die Freiheit, die sie sich als Frau so mutig nahm? Welche rituelle Rolle spielt die Rose bei ihr? Und welche Rolle ihr inniges Verhältnis zur Pflanzenwelt im Verhältnis zu ihrem Schaffen insgesamt? Wie wichtig war der Impuls von Dada Berlin für ihre künstlerische Weiterentwicklung und für welche Künstler wurde sie selbst zum Vorbild?

Dank seiner intimen praktischen und theoretischen Kenntnis des Prinzips Collage, kommt Neutert im Hinblick auf Hannah Höch zu völlig neuen Forschungsergebnissen. So gelingt es ihm mit forensischem Spürsinn, das Rätsel ihrer Collage „Da Dandy“ (1919) zu lösen, an der sämtliche Deutungsversuche bisher gescheitert sind: Er findet heraus, wer der Große Unbekannte ist, den die Künstlerin vexierbildartig in ihrer Collage versteckt hat. Und natürlich wird er diese Entdeckung mit dem Auditorium teilen, bevor er sich der Diskussion stellt und zum Signieren seines Buches übergeht.

 

 

 

 

 

 

 

 

Hannah Höch: Da-Dandy, 1919 Collage, 30 x 23 cm

Natias Neutert, Künstler und Kulturwissenschaftler, erhielt 1988 das Harald-Szeemann-Stipendium für seine Performance Sympathie für Piano und Pumpe im Gropius-Bau Berlin. Zwanzig Jahre später, Februar 2019, konnten sich die Besucher in der Galerie St. Gertrude in Hamburg angesichts von Collagen, Zeichnungen und Objekte in einer umfassenden Einzelausstellung von seiner Vielfältigkeit überzeugen. Werke von ihm befinden sich nicht nur in der Kunsthalle Hamburg, sondern vor allem im Besitz zahlreicher Privatsammler.



Elena Raulf

Ausstellung und Lesung

14.6. - 16.6.2019

 

animals I Soul

Du hast mich ersungen

  

Elena Raulf ist eine Minimalistin in Wort und Bild. Sowohl ihre Lyrik als auch ihre Malerei zeichnen sich durch eine radikale Reduktion aus. Dargestellt wird nur das Wesentliche. Ihr Sujet: die Gebiete der Seele. Bei beiden Kunstformen steht das Visuelle im Vordergrund, die Künstlerin beschreibt Bilder aus der inneren Welt. Allein was zählt ist die Wahrnehmung und Formulierung des Eigenen.

In ihrem 2014 im Berliner Verlag Lilienstaub & Schmidt erschienen Lyrikband „Du hast mich ersungen“ umreißt die Lyrikerin die großen Themen wie Trauer, Liebe, Verlust in einer radikalen Verkürzung auf Gedichte von jeweils nur wenige Zeilen. In ihrer Bilderserie animals | soul werden jeweils nur zwei Farben verwendet, in der Regel Gold und noch ein weiterer Farbton. Die Motive sind Archetypen oder Grundformen aus dem Reich der Tierwelt, wie z. B. der Vogel, die zum Teil auch in ihrer Lyrik thematisiert werden. Insofern bilden diese Gedichte und Bilder im Werk von Elena Raulf eine Einheit.


Durch ihre Einfachheit und Klarheit besitzt die Kunst von Elena Raulf eine starke Prägnanz. Sie wirkt unmittelbar. Insbesondere ihre Malerei kann hierbei auf zweierlei Arten gelesen werden kann, zum einen ästhetisch, als ein Spiel mit dem Topos des Schönen, zum anderen philosophisch-metaphysisch, als einer Veranschaulichung des Prinzips des Dualismus, im Hintergrund die monochrome Fläche, die von jeher das Unendliche, das Nichts oder die Leere repräsentiert, im Vordergrund die individuelle Form, die Idee, die hieraus hervorgeht.